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Lebensmittel: Bio & Fairtrade

War vor 100 Jahren eine gesunde und genussvolle Ernährung noch ein Privileg für wenige Reiche, haben wir in Deutschland heute eine flächendeckende Versorgung mit Frischwaren, wie es sie noch nie gab. Und das zu einem Preisniveau, das es so günstig ebenfalls noch nie gab. Vor 100 Jahren mussten wir noch mehr als die Hälfte unseres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, vor 50 Jahren war es noch ein Drittel, seit 15 Jahren pendelt sich der Wert bei ca. 15% ein.  Nie waren Fleisch, Brot, Obst, Gemüse oder Molkereiprodukte in unserem Land so billig und verfügbar wie heute. 

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist eine Land- und Viehwirtschaft, die mit Achtung vor der Natur nicht mehr viel gemein hat. Doch haben es immer mehr Menschen satt, jedes Jahr alleine 20 Kilogramm an Zusatzstoffen und Konservierungsmitteln zu sich zu nehmen (bspw. enthält die Verpackung von Cornflakes mehr Nährstoffe als die Conrflakes selber). Aus diesen und anderen Gründen steigt die Nachfrage nach Bio-Produkten und Bioläden:

Tiere haben wieder Platz und Auslauf und fressen natürliches vor Ort erzeugtes Futter. Zusätze wie Hormone und Antibiotika sind verboten. Gemüse wächst auf Böden, die nicht durch Pflanzenschutzmittel, Wachstumsförderer oder synthetische Dünger ruiniert wurden. Auf die Zugabe von künstlichen Aromen oder Geschmacksverstärkern wird ebenso verzichtet wie auf alles, was aus gentechnischer Produktion stammen könnte (vom Futter über Hilfsstoffe bis zu den Zutaten). Außerdem zeigen Studien, dass Bio-Höfe bei gleichen Erträgen mit 30% weniger Energie auskommen. 

Da ein Biosupermarkt inzwischen auch nicht mehr so aussehen, als müsste der Kunde die Bio Produkte dort selber ernten, wachsen die Umsätze Jahr für Jahr.  Doch Bio ist nicht gleich Bio, sodass die Lebensmittelsiegel kritisch zu prüfen sind, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Gerade eigene Billig-Bio-Marken des Einzelhandels drücken die Einkaufspreise, sodass Produzenten gezwungen werden, ihre Bio Erzeugnisse als billige Massenware zu produzieren und den Qualitätsanspruch auf ein Mindestmaß zu senken. 

Ein zweiter Strang eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums lautet Fairtrade: Im globalen Wirtschaftsgeflecht sind Kleinbauern und Handwerker aus Asien, Afrika oder Lateinamerika den schwankenden Weltmarktpreisen, dem Druck von Zwischenhändlern und unsicheren Perspektiven schutzlos ausgesetzt. Beim FairTrade schließen die westlichen Konzerne langfristige Verträge direkt mit den Erzeugern vor Ort. Die Konzerne verpflichten sich darin, während der Vertragslaufzeit Garantiepreise zu zahlen, die weit über dem Weltmarktniveau liegen, alle Kosten decken und darüber hinaus die Existenz der Familien sichern. Auf der Gegenseite verpflichten sich die Vertragspartner zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards. Zusätzlich werden Gewinne in soziale Entwicklungs- und Gemeinschaftsprojekte investiert (z.B. den Bau von Schulen oder die Bereitstellung medizinischer Versorgung), um die Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern. Welche Maßnahmen konkret umgesetzt werden, entscheiden die dörflichen Gemeinschaften selbst.

Besonders verbreitet ist FairTrade heute bei z.B. Kaffee, Tee, Orangensaft, Bananen oder Schokolade – überall dort, wo landwirtschaftliche Rohstoffe aus Entwicklungsländern stammen. Es gibt inzwischen jedoch zahlreiche weitere Produkte, die auf diesem Weg erworben werden können.  Zu erkennen sind sie am FairTrade-Siegel, dass der Verein TransFair e.V. seit 1992 vergibt. Mit zweistelligen Wachstumsraten knackte der Umsatz 2012 die 500 Millionen-Euro-Marke. Inzwischen sind bundesweit über 2.000 verschiedene Fairtrade-Produkte von rund 250 Vertragspartnern in über 42.000 Geschäften und 800 Weltläden sowie über 20.000 gastronomischen Betrieben zu finden.

Neben dem ökologischen (bio) und dem sozialen Gedanken (fairtrade) sollten beim Konsum von Lebensmitteln zwei weitere Faktoren berücksichtigt werden:

  1. Regionalität: Regional erzeugte Lebensmittel tragen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der bäuerlichen Landwirtschaft bei. Die kurzen Wege sparen überdies Energie. Warum nicht statt des üblichen Einkaufes im Supermarkt öfter über einen Wochenmarkt schlendern oder Bauernläden in der Nähe besuchen?
  2. Saisonalität: Klimatische Begebenheiten sollten wir berücksichtigen und Obst und Gemüse verzehren, das in unserer Gegend gerade reif ist oder sich ggf. im Keller lagern lässt. In der eigentlichen Erntesaison sind Bio-Produkte übrigens kaum teurer als andere Erzeugnisse. Wer aber Erdbeeren im Winter essen muss, mutet der Natur nicht nur lange Transportwege, sondern unter Umständen auch mit fossilen Energien geheizte Treibhäuser zu. Wer ohne frische Erdbeeren über den Winter kommt, bietet den Entwicklungsländern ferner eine Chance, landwirtschaftliche Flächen zum Anbau von Grundnahrungsmitteln für die eigene Bevölkerung zu nutzen.

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